
Wie Creative Industries regionale Innovationssysteme stärken und Regionen zukunftsfähig machenDie regionale Wirkung der Creative Industries
Regionen stehen heute vor tiefgreifenden Veränderungen. Digitalisierung, Fachkräftemangel, Klimawandel und wirtschaftlicher Strukturwandel erhöhen den Innovationsdruck. Wettbewerbsfähigkeit entsteht dabei nicht mehr allein durch Infrastruktur oder Produktionskapazitäten. Entscheidend ist, ob Regionen Wissen, Kreativität, Unternehmertum und Zusammenarbeit zu leistungsfähigen Innovationssystemen verbinden. Genau hier entfalten die Creative Industries ihre besondere Wirkung. Sie vernetzen Unternehmen, Wissenschaft, öffentliche Einrichtungen und Zivilgesellschaft, bringen kreative Kompetenzen in traditionelle Branchen und schaffen neue Wertschöpfung. Dadurch werden sie zu einem wichtigen Bestandteil regionaler Innovationssysteme.
Die Stärke der Creative Industries liegt in der Vielfalt der Regionen.Wien ist Hotspot – Österreich ist Kreativstandort
Wien ist das Zentrum der österreichischen Creative Industries. 37 % aller Unternehmen der Kreativwirtschaft haben ihren Sitz in der Bundeshauptstadt – deutlich mehr als der Anteil Wiens an der Gesamtwirtschaft (24 %). Zudem erwirtschaften Wiener Unternehmen rund die Hälfte des Umsatzes der österreichischen Creative Industries. Gleichzeitig zeigt sich aber ein ebenso wichtiges Bild: 63 % aller Creative-Industries-Unternehmen sind außerhalb Wiens angesiedelt. Niederösterreich (14 %), Oberösterreich (12 %) und die Steiermark (12 %) bilden gemeinsam mit den weiteren Bundesländern starke regionale Standorte der Kreativwirtschaft. Dabei entwickelt jede Region ihr eigenes kreatives Profil. Während Tirol und Vorarlberg überdurchschnittlich stark in der Architektur sind, weist Wien einen besonders hohen Anteil im Kunstmarkt auf. Andere Bundesländer setzen unterschiedliche Schwerpunkte etwa in Werbung, Design oder Software & Games. Diese Spezialisierungen spiegeln die wirtschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Stärken der jeweiligen Regionen wider.
Die Wirkung
Die Creative Industries sind zwar in Wien besonders stark konzentriert, ihre Wirkung entfaltet sich jedoch in ganz Österreich. Erfolgreiche Regionalentwicklung entsteht nicht durch ein einheitliches Modell, sondern durch die gezielte Weiterentwicklung regionaler Stärken. Creative Industries machen diese Potenziale sichtbar, verbinden sie mit Innovation und tragen so zur Wettbewerbsfähigkeit aller Regionen bei. (Die angeführten Daten beziehen sich auf 2023 und wurden in diesem Beitrag im Vergleich zur Studie aktualisiert).
Innovation entsteht nicht nur im urbanen Raum.18 % der Creative Industries sind im ländlichen Raum tätig
Rund 18 % der Creative-Industries-Unternehmen haben ihren Standort im ländlichen Raum. Besonders bemerkenswert ist die Dynamik: Zwischen 2008 und 2010 wuchs die Zahl der Kreativunternehmen in Gemeinden mit geringer Bevölkerungsdichte um mehr als 10 % und damit stärker als in dichter besiedelten Regionen. Die Studie sieht darin ein Zeichen des fortschreitenden Strukturwandels hin zu wissensintensiven Dienstleistungen und bislang ungenutzter regionaler Entwicklungspotenziale.
Die Wirkung
Creative Industries entstehen nicht nur dort, wo Innovation bereits vorhanden ist. Sie erschließen neue Innovationspotenziale und leisten einen aktiven Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung ländlicher Regionen.
Case-Study
Regionalentwicklung gelingt besonders dann, wenn Creative Industries systematisch mit den Leitbranchen einer Region zusammenarbeiten.
In Vorarlberg vernetzt der CAMPUS Dornbirn Kreativunternehmen gezielt mit Industrie- und Gewerbebetrieben. Kreative Kompetenzen werden dadurch Teil industrieller Innovationsprozesse und stärken die Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Region.
Innovation braucht regionale Netzwerke.66 % verstehen ihre Region als unmittelbares wirtschaftliches Umfeld
Obwohl mehr als die Hälfte der Creative-Industries grundsätzlich ortsunabhängig arbeiten könnte, verstehen 66 % ihre Region als unmittelbares wirtschaftliches Umfeld. Die wichtigsten Kund:innen und Kooperationspartner:innen befinden sich meist ebenfalls in derselben Region. Gleichzeitig planen nur rund 17 % einen Standortwechsel. Die Studie zeigt damit eine hohe regionale Verankerung trotz großer räumlicher Flexibilität.
Die Wirkung
Innovation entsteht nicht allein durch räumliche Nähe, sondern durch stabile regionale Netzwerke. Creative Industries verbinden Unternehmen, Institutionen und Menschen zu leistungsfähigen regionalen Innovationssystemen.
Case-Study
Regionale Innovationssysteme brauchen Orte der Begegnung. Creative Industries schaffen genau diese Räume für Co-Creation.
Das Offene Technologielabor (OTELO) schafft niederschwellige Räume, in denen Menschen aus Technik, Medien, Design und Gesellschaft gemeinsam experimentieren. Innovation entsteht hier nicht innerhalb einzelner Organisationen, sondern durch Offenheit, Zusammenarbeit und gemeinsames Lernen.
Die Wirkung
Creative Industries machen Regionen attraktiver für Talente, Gründer:innen und innovative Unternehmen. Sie stärken damit die langfristige Wettbewerbsfähigkeit eines Standorts.

Attraktive Regionen ziehen Innovation an.60 % sehen ein kreatives Umfeld als Erfolgsfaktor
Für sechs von zehn Creative-Industries-Unternehmen ist ein offenes, tolerantes und kreatives Umfeld ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Ebenso wichtig sind Lebensqualität, geeignete Arbeitsräume sowie leistungsfähige Infrastruktur. Die Studie zeigt damit, dass wirtschaftlicher Erfolg zunehmend von weichen Standortfaktoren abhängt.
Erfolgreiche Regionalentwicklung braucht maßgeschneiderte Strategien.4 Standort- und Unternehmenstypen innerhalb der Creative Industries
Die Studie identifiziert vier unterschiedliche Typen von Creative-Industries-Unternehmen mit jeweils eigenen Standortanforderungen. Die Analyse macht deutlich: Unterschiedliche Regionen brauchen unterschiedliche Strategien.
- 28 % ländliche Kreative
- 31 % intrinsisch motivierte Stadtkreative
- 24 % stadtabhängige Kreativunternehmen
- 17 % grenzüberschreitend tätige Kreativunternehmen.
Die Wirkung
Es gibt keine Standardlösung für Kreativwirtschaftspolitik. Erfolgreiche Regionen entwickeln Maßnahmen, die zu ihren jeweiligen Stärken, Unternehmen und Entwicklungszielen passen.
Case-Study
Creative Industries wirken nicht nur durch viele kleine Unternehmen. Einzelne kreative Vorreiter können ganze Regionen inspirieren und neue Entwicklungspfade eröffnen.
Das Unternehmen KAPO zeigt, wie Design, Qualität und kreative Zusammenarbeit weit über das eigene Unternehmen hinaus wirken können. Als regionales Leuchtturmunternehmen stärkt es das Image der Region, setzt Innovationsimpulse und macht kreative Wertschöpfung sichtbar.
Regionale Innovationssysteme entstehen durch aktive Einbindung der Creative Industries.Erfolgreiche Regionalentwicklung braucht Kreativwirtschaft
Regionen werden nicht innovativ, weil Creative Industries vorhanden sind. Regionen werden innovativ, wenn Creative Industries aktiv in regionale Innovations- und Entwicklungsstrategien eingebunden werden. Gemeinsam ist erfolgreichen Regionen ein entscheidender Faktor: Sie verstehen Creative Industries als Partnerinnen regionaler Innovations- und Entwicklungsprozesse. Kreative Kompetenzen werden gezielt mit Wirtschaft, Wissenschaft, Regionalmanagement und öffentlicher Hand vernetzt und dadurch Teil der regionalen Innovationsstrategie.
Die Wirkung
Erfolgreiche Regionalpolitik schafft Rahmenbedingungen, in denen Creative Industries ihre Wirkung entfalten können. Kreativwirtschaftspolitik ist deshalb immer auch Innovations-, Standort- und Regionalpolitik.
Die Schwerpunktstudie „Kreativwirtschaft als regionaler Faktor“ wurde von der KMU Forschung Austria gemeinsam mit der österreichischen kulturdokumentation, der Kingston University (UK) und Oxford Research Sweden im Auftrag der Kreativwirtschaft Austria erstellt und als Schwerpunkt des Fünften Österreichischen Kreativwirtschaftsberichts veröffentlicht. Sie untersucht die regionale Verankerung der Creative Industries, ihre Standortfaktoren, ihre Bedeutung für regionale Innovationssysteme sowie nationale und internationale Praxisbeispiele erfolgreicher Regionalentwicklung. Die Studie verbindet statistische Analysen mit österreichischen und internationalen Fallstudien und leitet daraus Handlungsempfehlungen für die Regional- und Innovationspolitik ab.