
Creative Industries exportieren Kreativität und importieren InnovationDie internationale Wirkung der Creative Industries
Internationalisierung bedeutet für die Creative Industries weit mehr als Export. Sie verkaufen Produkte und Dienstleistungen im Ausland, kooperieren über Grenzen hinweg, beziehen Technologien und Know-how aus anderen Ländern und greifen internationale Trends früh auf. Internationalisierung stärkt nicht nur einzelne Kreativunternehmen. Sie verbindet das österreichische Innovationssystem mit internationalen Wissens-, Technologie- und Kreativnetzwerken und erhöht dadurch die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Wirtschaftsstandorts.
Die internationale Wirkung der Creative Industries beruht auf einem wechselseitigen Prozess:
Sie erschließen internationale Märkte
- verkaufen Produkte und Dienstleistungen,
- erreichen neue Kund:innen und Publikumsgruppen,
- bauen Reputation und Umsatz auf.

Sie öffnen Österreich für internationale Impulse
- greifen neue Ideen und Technologien auf,
- entwickeln Kooperationen über Grenzen hinweg,
- bringen Trends, Wissen und neue Geschäftsmodelle in die österreichische Wirtschaft.

Internationalität gehört zum Geschäftsmodell der Creative Industries.86 % sind international aktiv
86 % der österreichischen Creative-Industries-Unternehmen sind im engeren Sinn auslandsaktiv. Sie kaufen Produkte oder Dienstleistungen im Ausland, verkaufen ihre Leistungen international oder kooperieren mit ausländischen Unternehmen und Organisationen. Rund 70 % der Unternehmen sind im Export tätig.
- 67 % importieren Produkte aus dem Ausland,
- 60 % exportieren zumindest gelegentlich Dienstleistungen,
- 36 % exportieren Waren und Produkte,
- 38 % beziehen Dienstleistungen aus dem Ausland,
- 34 % kooperieren mit ausländischen Unternehmen oder Institutionen,
- knapp 20 % lagern zumindest gelegentlich Prozesse an ausländische Unternehmen aus.
Die Wirkung
Internationalisierung ist in den Creative Industries kein Sonderfall. Sie ist Teil eines offenen Geschäftsmodells, in dem Leistungen, Wissen, Technologien und Kooperationen über Grenzen hinweg organisiert werden.
Die Creative Industries sind für einen Dienstleistungssektor besonders exportstark.19 % Exportquote
Österreich produzierte kreativwirtschaftliche Güter und Dienstleistungen im Wert von rund 21,4 Milliarden Euro. Davon wurden rund 4,2 Milliarden Euro im Ausland erwirtschaftet. Das entspricht einer Exportquote von rund 19 %. Damit liegt die Kreativwirtschaft deutlich über der durchschnittlichen Exportquote der Dienstleistungswirtschaft von 12,5 %.
Das wichtigste Exportsegment ist Software und Games mit rund 1,7 Milliarden Euro, gefolgt von der Werbung mit knapp 1 Milliarde Euro und Buch und Verlagswesen mit rund 750 Millionen Euro. Software und Games sowie Werbung verzeichneten im Untersuchungszeitraum zugleich die stärksten Exportzuwächse.
Die Wirkung
Die Creative Industries schaffen Wertschöpfung über Österreich hinaus. Gerade digital skalierbare, wissensintensive und kreative Leistungen erschließen internationale Märkte, ohne dass dafür große industrielle Produktionsstrukturen erforderlich sind.
Die Wirkung
Der europäische Binnenmarkt ermöglicht auch kleinen Kreativunternehmen Zugang zu größeren Kund:innen-, Publikums- und Kooperationsmärkten. Gemeinsame Standards, räumliche Nähe und kulturelle Verbindungen erleichtern den ersten Schritt in die Internationalisierung.

Europa ist der zentrale Markt der österreichischen Creative Industries.70 % der Exporte gehen in die Europäische Union
Fast 70 % der kreativwirtschaftlichen Exporteinnahmen werden innerhalb der Europäischen Union erzielt. Deutschland ist mit Abstand der wichtigste Exportmarkt, gefolgt von den USA, Italien und der Schweiz. Die Ausrichtung auf den europäischen Binnenmarkt unterscheidet sich nach Teilbereich:
- Radio und TV erzielen rund 83 % ihrer Exporte in der EU,
- Filmwirtschaft rund 78 %,
- Werbung rund 76 %,
- Buch und Verlagswesen rund 75 %,
- Software und Games rund 69 %.
Internationalisierung bringt Innovation nach Österreich.42 % suchen international nach neuen Ideen
Die Creative Industries gehen nicht nur ins Ausland, um mehr zu verkaufen. Internationale Aktivitäten sind auch eine wichtige Quelle für Ideen, Technologien und Wissen. Unternehmen in der Gründungs- und Wachstumsphase zeigen sich dabei besonders offen für Anregungen aus dem Ausland.
Die wichtigsten beschaffungsseitigen Motive sind:
- 42 % suchen nach neuen Ideen für Produkte und Dienstleistungen,
- 29 % suchen nach neuen Technologien,
- 29 % nutzen Preisvorteile auf internationalen Beschaffungsmärkten.
Die Wirkung
Creative Industries sind nicht nur Exporteurinnen kreativer Leistungen, sondern auch Importeurinnen von Innovation. Sie erkennen internationale Trends, Anwendungen und Technologien früh, passen sie an den österreichischen Markt an und bringen neue Impulse in ihre Projekte, Unternehmen und Kund:innenbranchen.
Internationale Präsenz schafft Wachstum und Sichtbarkeit.53 % wollen neue Märkte und Zielgruppen erreichen
Internationalisierung ist für die Creative-Industries sowohl eine Wachstumsstrategie als auch eine Möglichkeit, Reputation aufzubauen und sich in internationalen Fach- und Innovationsnetzwerken zu positionieren.
- 53 % wollen ihre Absatzmärkte sowie Kund:innen- und Publikumsgruppen erweitern,
- 47 % wollen ihren Bekanntheitsgrad steigern,
- 47 % verfolgen Umsatzsteigerungen.
Die Wirkung
Internationale Märkte erhöhen nicht nur den Absatz. Sie stärken die Sichtbarkeit österreichischer Kreativleistungen, erweitern Referenzen und eröffnen Zugang zu neuen Partner:innen, Projekten und Wertschöpfungsketten.
Internationalisierung gelingt über Netzwerke.67 % sehen Kontakte als entscheidenden Erfolgsfaktor
Der wichtigste Erfolgsfaktor für internationale Aktivitäten ist nicht allein das Produkt, sondern der Zugang zu den richtigen Menschen und Märkten. Auf der Absatzseite bewerten die Unternehmen insbesondere folgende Faktoren als wichtig:
- 67 % ausreichende Kontakte zu Netzwerken und Partner:innen,
- 60 % eine gute Reputation des Unternehmens,
- 56 % Sprachkenntnisse,
- 54 % einen erkennbaren Wettbewerbsvorteil der eigenen Leistungen,
- 53 % Anpassungsfähigkeit und Flexibilität.
Auch auf der Beschaffungsseite werden Kontakte zu Netzwerken und Partner:innen mit 66 % am häufigsten als Erfolgsfaktor genannt.
Die Wirkung
Internationalisierung ist Beziehungsarbeit. Netzwerke erleichtern den Zugang zu Kund:innen, Wissen, Technologien, Finanzierung und verlässlichen Partner:innen. Für die kleinteiligen Creative Industries sind sie eine zentrale Infrastruktur internationaler Wettbewerbsfähigkeit.
Die Schwerpunktstudie „Internationalisierung“ wurde im Rahmen des Achten Österreichischen Kreativwirtschaftsberichts veröffentlicht. Sie untersucht den Internationalisierungsgrad der österreichischen Creative Industries, ihre Exporte und Importe, ihre grenzüberschreitenden Kooperationen sowie Motive, Erfolgsfaktoren und Hemmnisse internationaler Aktivitäten.
Grundlage sind unter anderem das für die Analyse erweiterte Satellitenkonto für die Kreativwirtschaft, Außenhandels- und Zahlungsbilanzdaten, eine Unternehmensbefragung mit mehr als 500 Creative-Industries-Unternehmen, qualitative Fallstudien sowie eine Analyse österreichischer und europäischer Internationalisierungsstrategien. Die Studie leitet daraus Empfehlungen für eine zielgerichtete und nachhaltige Unterstützung der Internationalisierung ab.