
Ulrich DrechslerDer Musiker, der ganze Systeme komponiert
Was passiert, wenn ein international gefeierter Musiker beschließt, seine Karriere „einzufrieren“, um völlig neu zu denken? Bei Ulrich Drechsler führte dieser Moment zu einem radikalen Perspektivwechsel und schließlich zur Gründung der Orbital Nation Association (ONA), einer interdisziplinären Bewegung zwischen Weltraum, Gesellschaft und Musik. Ein Creative des Monats, der größer denkt als jede Genregrenze.
Vom Musiker zum Systemdenker
Ulrich Drechsler, Musiker, Komponist und Teil der C hoch 3 Community, stand vor zwei Jahren an einem Punkt, an dem er spürte: So wie bisher kann ich nicht weitermachen.
Die Musikbranche, seine Heimat seit fast fünf Jahrzehnten, veränderte sich rapide. Digitalisierung, KI, Monopolisierung, eine immer stärkere Entwertung von Musik als kulturelle Währung. Für viele wäre das ein Grund gewesen, weiterzukämpfen oder sich langsam zurückzuziehen. Ulrich schlug einen anderen Weg ein. Er fror seine erfolgreiche Karriere ein. Und dann kam Reanne Leuning. Reanne Leuning baut bei der Kreativwirtschaft Austria Brücken zwischen kreativen Köpfen weltweit und verantwortet die BOLD Community (Öffnet in einem neuen Tab oder Fenster).
Nach einem intensiven ersten Gespräch berief sie ihn in die BOLD Community, ein globales Netzwerk für mutige Ideen quer durch Branchen und Disziplinen. Rund 50 Personen aus der ganzen Welt kamen zur BOLD UnConference zusammen und dort begegnete Ulrich erstmals jemandem aus dem Weltraumbereich. „Eine absolut unbekannte, faszinierende Welt tat sich für mich auf,“ sagt er. Kurz darauf folgte eine weitere Einladung zum World Systemic Forum in Liechtenstein, organisiert von der Hilti Foundation. Dort nahm Ulrich zwischen Expert:innen aus Weltraumökonomie, Human Space Supply, Wissenschaft, Technologie und Recht an einem Workshop der Arbeitsgruppe Space teil. Und mitten drin: der Musiker Ulrich Drechsler. Was viele überfordern würde, reizte Ulrich sofort. In der Diskussion wurde klar, dass es ein riesiges Wissensvakuum rund um Weltraumtechnologien und gleichzeitig enorme Chancen für die Gesellschaft gibt. Die Gruppe war sich einig, dass es ein neues Narrativ braucht. Ein Narrativ, das Menschen das Thema näherbringt. Eines, das zeigt, wie eng Weltraum, Erde und unser Alltag miteinander verbunden sind. Ulrich beschreibt diesen Moment so:


„Ich beginne in vielerlei Formen und Varianten von Raum zu denken – physische, geistige, psychische, energetische Räume. Für mich ist das alles miteinander verknüpft.“
Ulrich Drechsler
Ein Monat später reiste er erneut nach Liechtenstein. Dieses Mal nicht als Gast, sondern um gemeinsam mit dem Amt für Kommunikation ein mögliches Szenario einer interdisziplinären Schnittstelle zwischen Space- und Erde-Ökosystemen zu entwickeln. Und hier geschah etwas Seltenes. Sie beschlossen einfach, es zu versuchen.

Die Geburtsstunde der Orbital Nation Association (ONA)
Gemeinsam mit Bianca Lins, Juristin, Weltraumenthusiastin und Spezialistin für Weltraumrecht, entwickelte Ulrich ein Jahr lang die Grundstruktur der Orbital Nation Association. Im Januar 2026 wurde die ONA beim World Systemic Forum erstmals öffentlich präsentiert. Im Februar gründeten sie offiziell den Verein. Ihr Ziel ist ambitioniert und gleichzeitig unglaublich klar: Eine Plattform zu schaffen, die den gesamten Earth–Space–Untergrund-Raum verbindet. Ein One-Stop Marketplace für eine der größten Expansionen der Menschheit und gleichzeitig ein Ort, an dem die Kreativwirtschaft, Bildung, Kunst und Gesellschaft mitgedacht werden.
Für Ulrich steht fest: „Wir erschaffen immer komplexere Systeme, die von immer weniger Menschen verstanden werden. Die ONA will diese Lücke schließen und Räume schaffen, die für alle zugänglich sind.“ ONA ist für ihn kein Technikprojekt, kein Start-up, kein Think Tank. Es ist der Versuch, Gemeinschaft neu zu denken, und zwar generationenübergreifend, interdisziplinär und mutig.
Was Ulrich im Earth–Space-Ökosystem als erstes sah
Ulrich ist kein Ingenieur, keine Raumfahrtperson, keine klassische Führungskraft. Und genau das ist seine Stärke. Während viele im Weltraumsektor über Technologien sprechen, sah Ulrich etwas anderes: die wachsenden Lücken in unserer Gesellschaft.
Er beschreibt drei große Brüche:
- Die Wirtschaft, die immer komplexer und schneller wird, oft entkoppelt von realen Bedürfnissen.
- Die Politik, die mit der Geschwindigkeit globaler Entwicklungen kaum mehr Schritt hält.
- Die Gesellschaft, die in immer kleinere Interessensgruppen zerfällt.
Die Erschließung des erdnahen Orbits, sagt Ulrich, ist eigentlich eine riesige Chance: wirtschaftlich, technologisch, wissenschaftlich und kulturell. Aber niemand erzählt davon. Niemand macht sichtbar, wie jede:r schon heute davon profitiert. Die ONA stellt für ihn einen „leeren Raum“ dar, der mit Wissen, Kooperation, Experimenten und neuen Formen der Zusammenarbeit gefüllt werden möchte.
Wie Musik zum Fundament von ONA wurde
Ulrichs Musiker-Sein zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben. Es ist nicht Vergangenheit, es ist ein Werkzeug. Er sagt: „In der ONA mache ich exakt das Gleiche wie in der Musik. Ich komponiere Systeme. Nur in einem anderen Kontext.“
Musik, erklärt er, ist ein permanentes Arbeiten mit Unbekannten. Du kennst die Theorie. Du kennst dein Instrument. Aber du weißt nie, wie ein neues Stück am Ende klingen wird. Und genau so funktioniert die ONA.
Aus der Musik bringt Ulrich mit:
- das Denken in zusammenhängenden Systemen
- die Fähigkeit, Variablen miteinander zu verweben
- die Geduld, auszuprobieren statt zu kontrollieren
- die Leidenschaft als treibende Kraft kreativer Prozesse
Ulrich hat gelernt, Strukturen zu verstehen, um sie dann bewusst zu vergessen und um Raum für Neues zu schaffen. Dieses Prinzip setzt er nun im großen Stil um.

Zwischen Vision, Zweifel und Mut
Bei einem Projekt wie der ONA könnte man erwarten, dass es vor allem um Technologien, Budgets und Strategien geht. Aber wenn man mit Ulrich spricht, ist klar, dass sein wichtigstes Werkzeug das Zuhören ist.
„Ich liebe es einfach, meiner Umwelt und den Menschen zuzuhören, sie zu beobachten, daraus zu lernen und die gewonnenen Eindrücke mit meinen eigenen Konzepten zu vergleichen.“
Ulrich Drechsler
Ulrich beschreibt eindrucksvoll, wie Menschen aus verschiedenen Disziplinen mit unterschiedlichen Werkzeugen arbeiten. Seine Learnings entstehen aus dem Vergleich von Denkweisen, dem offenen Austausch und dem Erforschen der Schnittstellen. Er lernt von Unternehmer:innen, Strateg:innen sowie Forscher:innen und sie wiederum von ihm. Hürden gibt es bei dem Projekt viele. Aber aufzugeben wäre das Einfachste. Was ihn weitermachen lässt sind die gemeinsame Vision, die Neugier, das Vertrauen in gemeinschaftliches Arbeiten und der Wunsch, echte funktionierende Beispiele für Zusammenarbeit zu schaffen. ONA ist eines von mehreren Projekten, an denen Ulrich arbeitet, darunter extrem große, gesellschaftlich relevante Vorhaben. Aber in allen steckt derselbe Kern: Systeme verstehen und neu denken. Und Systeme zu komponieren wie Musik.

Wie sieht Ulrich die Zukunft?
Zukunft ist für Ulrich nicht der Ort, an dem man Ideen parkt. Es geht vielmehr darum, heute Entscheidungen zu treffen, die etwas in Bewegung setzen. „Jetzt, in diesem Moment, beginnen wir etwas in Gang zu setzen, das vielleicht einmal ein funktionierendes Modell der Zusammenarbeit wird.“ Außerdem stellt er die Frage, die wir uns seiner Meinung nach alle stellen sollten. Diese Frage ist sein Motor, sein Kompass:
„Was würde alles möglich werden, wenn wir alles, was wir haben, in alles stecken würden, was wir tun könnten?“
Urlich Drechsler
Impulse und Learnings für den eigenen kreativen Weg
Ulrichs Geschichte zeigt, wie viel möglich ist, wenn man über den Rand der eigenen Disziplin hinausblickt. Kreative haben eine einzigartige Art zu denken und diese wird gebraucht. Interdisziplinarität ist kein Trend, sondern eine Notwendigkeit. Mut, etwas „einzufrieren“, kann neues Leben bringen. Zuhören ist ein unterschätztes Talent. Visionen brauchen Räume, aber vor allem brauchen sie Menschen. ONA ist ein Raum, der erst entsteht. Und Ulrich ist ein Creative, der zeigt, dass Kreativität nicht dort endet, wo die Technik beginnt.
Wenn du jetzt Lust bekommen hast, tiefer einzutauchen, lohnt sich ein Blick auf die ONA‑Website (Öffnet in einem neuen Tab oder Fenster). Ulrich sucht laufend Menschen aus verschiedensten Disziplinen, Visionär:innen, Brückenbauer:innen, kreative Köpfe, Wissenschafts- und Technikbegeisterte und alle, die neugierig genug sind, den nächsten Schritt gemeinsam zu wagen.
Mehr zur Orbital Nation Association:
Auch Ulrich Drechsler findest du auf LinkedIn (Öffnet in einem neuen Tab oder Fenster) und Instagram (Öffnet in einem neuen Tab oder Fenster).