Eine rote Linie macht eine sanfte Kurve, bildet eine kleine Spitze und macht dann eine Schleife, bevor sie gerade über einen hellgrauen Hintergrund verläuft.
Melanie Fedl, mit langen hellbraunen Haaren, trägt einen blauen Blazer und ein weißes Oberteil. Sie lächelt neben einer weißen Wand, während sie den richtigen Ton inmitten von Grün und sanften Hügeln im Hintergrund einfängt.
© Julia Kirisits

Melanie FedlDen richtigen Ton treffen

Melanie Fedl hat ihre Stimme neu positioniert und zeigt, wie sich kreative Arbeit, Unternehmertum und KI heute sinnvoll verbinden lassen.

Vom Hobby zur Berufung

Der Beginn von Melanie Fedls Geschichte klingt für viele Kreative wahrscheinlich sehr vertraut. Denn eigentlich hat Melanie, Teil unseres C hoch 3-Netzwerks, ihre Stimme immer nur als Hobby gesehen. Da ist eine Fähigkeit, die leichtfällt, die Freude macht und gleichzeitig die innere Stimme, die sagt, man solle etwas Ordentliches machen.

Melanie hat lange genau das getan, bis sie merkte, dass dieser Weg für sie nicht mehr passt. Kurz vor einem Burnout, mitten in der Corona-Zeit, plötzlich mit Raum zum Nachdenken, wurde ihr klar, dass es so nicht weitergehen kann.

Die Stimme war immer da. Früher schon, bei einem Hörspiel, bei dem sie einmal mitmachen durfte. „Das hat mir so viel Freude gemacht, dass ich wusste: Das würde ich unglaublich gern wieder machen.“

Melanie Fedl

Doch erst in dieser Umbruchphase wurde aus dem Gedanken ein konkreter Plan. Beim ORF lernte sie die Sprecherin und Sprechtrainerin Andrea Radakovits kennen und entschied sich, eine professionelle Sprecher:innen-Ausbildung zu machen. Der Wendepunkt kam mit einer einfachen, aber ehrlichen Frage: Was kann ich gut, was mache ich gern und womit kann ich meinen Lebensunterhalt verdienen? Die Antwort lag näher, als sie geglaubt hatte.

Stimme ist Emotion, Timing und Haltung

Heute arbeitet Melanie als ausgebildete Sprecherin und Sängerin. Sie spricht Werbetexte, Imagefilme, Telefonansagen, hält Reden, singt bei besonderen Anlässen und weiß: Stimme ist nie neutral.

„Oft hören wir an einem einzigen Wort, wie es jemandem geht.“

Diese Sensibilität für Zwischentöne prägt ihre Arbeit und hier setzt auch ihr Zugang zu KI an. Denn Melanie nutzt künstliche Intelligenz nicht als Ersatz, sondern als Werkzeug. Sie spricht Texte selbst mit allem, was gute Sprache ausmacht, ein, wie Emotion, Pausen, Betonung und Rhythmus. Danach kann auf Wunsch eine KI-Stimme darübergelegt werden. Die Stimmfarbe verändert sich, die Natürlichkeit bleibt.

Das Ergebnis sind Stimmen, die nicht nach „typischer KI“ klingen. Diese Stimmen haben keine falschen Betonungen, sind keine emotionslosen Sätze, sondern klingen nach Sprache, die lebt.

Besonders für Agenturen oder Unternehmen, die unterschiedliche Klangfarben für Imagefilme oder Telefonansagen brauchen, eröffnet das neue Möglichkeiten sowie für Melanie selbst auch.

Eine Frau mit langen Haaren, die Melanie Fedl ähnelt, singt in einem schwach beleuchteten Studio in ein Mikrofon mit Pop-Filter. Ihr Gesicht wird vor einem dunklen Hintergrund sanft beleuchtet, während sie nach dem richtigen Ton sucht.
© Elisabeth Renner

KI als Realität und als bewusste Entscheidung

„Für mich war früh klar: KI ist da, und sie wird nicht wieder verschwinden.“

Viele Kreative stehen an diesem Punkt vor einer Grundsatzentscheidung: Abgrenzen oder integrieren?

Melanie hat sich bewusst für Letzteres entschieden. Nicht aus Technikbegeisterung allein, sondern aus einem realistischen Blick auf die Branche. Sie liebt das Sprechen und weiß gleichzeitig, dass sich ihr Beruf rasant verändert.

Gerade im Deutschen, sagt sie, ist der Mensch aktuell noch klar im Vorteil. Es gibt weniger Trainingsmaterial als im Englischen, Nuancen sind schwer künstlich nachzubauen.

„Vielleicht wird es irgendwann so gut, dass 90 Prozent keinen Unterschied mehr hören. Aber aktuell ist der Mensch noch klar im Vorteil.“

Aus dieser Auseinandersetzung ist ein weiteres Projekt entstanden. Melanie gibt heute auch KI-Trainings, vor allem für EPUs und Selbstständige. Mit Fokus auf Audio, Podcast und praktische KI-Strategien für den Unternehmensalltag. Nicht abstrakt, nicht technisch überladen, sondern anwendbar. Sie erklärt, was wirklich hilft, was man sich sparen kann und wo es weiterhin menschliche Kompetenz braucht.

Eine Frau mit Kopfhörern, möglicherweise Melanie Fedl, findet leidenschaftlich den richtigen Ton, während sie mit ausdrucksvoll erhobenen Händen in einem Musik-Aufnahmestudio in ein Mikrofon singt oder spricht.
© Elisabeth Renner

Preisgestaltung und wirtschaftliche Verantwortung

So kreativ der Beruf, so nüchtern manche Realität. Melanie spricht offen darüber, dass Selbstständigkeit nicht nur aus Mikrofon, Stimme und Inspiration besteht, sondern auch aus Steuer, Preisen, Angeboten und wirtschaftlicher Verantwortung.

„Mein Kerngeschäft liebe ich sehr. Aber als Selbstständige weiß man schnell, dass es viele Aufgaben gibt, die nichts mit dem eigentlichen kreativen Tun zu tun haben.“

Melanie Fedl

Bei gewissen Themen holt sich Melanie gezielt Hilfe, wie bei der Steuer und sie weiß, wie entscheidend wirtschaftliche Stabilität ist. Auch deshalb spricht sie offen darüber, wie wichtig ihr privates Umfeld war: „Ohne meinen Mann hätte ich mich wahrscheinlich nicht selbstständig gemacht.“

Besonders herausfordernd war für sie das Thema Pricing. Der eigenen Arbeit einen Preis zu geben, vor allem, wenn sie leichtfällt oder emotional ist, etwa beim Singen auf einer Beerdigung oder beim Halten einer Rede. „Gerade dann denkt man schnell: Dafür kann ich doch kein Geld verlangen.“ Melanie hat sich deshalb bewusst Unterstützung geholt und in einen Pricing-Kurs investiert. Dort lernte sie mit Erfahrung, Zeit, Technik und Infrastruktur fair zu kalkulieren. Nicht unter Wert, nicht utopisch, sondern so, dass man davon leben kann.

Die Bedeutung von Stimme und Haltung

„Der eigentliche USP ist in unserer Branche oft schlicht die Stimme selbst.“

Melanie Fedl

Nicht jede Stimme passt zu jeder Marke, jedem Film, jeder Situation. Gleichzeitig schafft Melanies Arbeitsweise mit KI neue Spielräume für Kund:innen sowie für sie selbst.

Agenturen und Unternehmen schätzen es, nur eine Ansprechpartnerin zu haben, die verschiedene Stimmen, Klangfarben und Formate abdecken kann. Das sorgt für weniger Reibung und mehr Flexibilität.

Auch in der AI-Masterclass, die sie gemeinsam mit einer Texterin und einer Anwältin anbietet, zeigt sich dieser Ansatz. Sie arbeiten interdisziplinär, praxisnah und konkret. Ihr Anspruch ist klar. Die Teilnehmenden sollen nicht nur motiviert nach Hause gehen, sondern mit etwas, das sie wirklich nutzen können. „Es gibt viele Kurse, bei denen man motiviert heimkommt und im Alltag alles wieder untergeht. Genau das wollten wir anders machen.“

Große Träume und ein klarer Blick nach vorne

Wovon träumt jemand, die mit Stimme arbeitet? Für Melanie ist ganz klar, dass sie einmal einen Film synchronisieren will. Am liebsten einen Disney-Film, bei dem man auch singen darf. Außerdem würde sie gerne einmal mit einer Big Band auf der Bühne stehen.

Gleichzeitig richtet sich ihr Blick nach vorne, auf all jene, die mit KI noch hadern. „Viele stehen dem Thema mit Unsicherheit und Skepsis gegenüber.“ Gerade EPUs und Selbstständigen möchte sie zeigen, wie man KI sinnvoll und klug einsetzen kann und was man besser bleiben lässt. Dafür hat sie auch ihren Podcast „Besser. Gut. EingeFEDLt“ gestartet. Darin spricht Melanie mit spannenden Gästen darüber, wie KI im Businessalltag wirklich hilft. Kein Hype, kein Tech-Talk um seiner selbst willen. Sondern echte Erfahrungen.

Melanie Fedl, in einem weißen Kleid und einer blaugrünen Jacke, lächelt, während sie auf einem Kiesweg neben einem felsigen, begrünten Hügel spazieren geht und den richtigen Ton der ruhigen Landschaft einfängt.
© Julia Kirisits

Was wir uns von Melanie abschauen

Melanie Fedls Weg zeigt, dass Kreativität und Technologie kein Widerspruch sein müssen. Es ist möglich, Neues zu integrieren, ohne das Eigene zu verlieren. Unternehmerisches Denken ist kein Verrat an der Kunst, sondern oft ihre Voraussetzung. Für uns ist das eine wunderschöne Botschaft: Die eigene Stimme ernst nehmen. Im wörtlichen wie im übertragenen Sinn.

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